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„Hypezig“ oder Öffentlichkeit für selbstverwaltetes Wohnen? Ein paar Worte zu unserer Medienarbeit

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Seit vor Kurzem in der Süddeutschen Zeitung ein Artikel über unser Projekt erschienen ist, füllt sich unsere Mailbox häufig schneller als wir lesen und antworten können mit Anfragen von Journalist_innen (sowie Interessent_innen für Wohnprojekte und auch Eigentumswohnungen, die wir ja gerade nicht wollen…) aus ganz Deutschland. Dies bringt uns in durchaus knifflige Situationen. Wir müssen uns fragen, welche Art von Publizität wir in Zeiten von „Hypezig“ zu produzieren helfen. Auch außerhalb Leipzigs wird momentan nämlich immer mehr zur Kenntnis genommen, was sich hier so alles tut – in teilweise geradezu absurden Tonalitäten. Will heißen: Der Leipzig-Hype in den überregionalen Medien hat in den vergangenen Monaten noch einmal um ein paar Potenzen zugelegt und unsere Ecke scheint da wirklich mittendrin zu stecken… (ganz unten ein paar Beispiele). Natürlich sehen wir diesen „Boom“ und die damit einhergehenden Veränderungen keineswegs einfach nur euphorisch – vor allem sind wir froh, dass wir unsere Häuser gerade noch rechtzeitig zu machbaren Preisen gesichert und auf einen Pfad der Selbstverwaltung gebracht haben. (Auch in Lindenau kann man die noch zu erwerbenden, unsanierten Altbauten mittlerweile nämlich beinahe an einer Hand abzählen.)

Gleichzeitig sind im Wahlkampfjahr 2013 aber endlich auch steigende Mieten und Wohnungsknappheit in deutschen Städten zum Medienthema geworden – und weil der „alte“ bundesrepublikanische soziale Wohnungsbau derart verbockt worden ist, scheinen jetzt plötzlich sogar viele Politiker_innen an neueren, alternativen Modellen wie dem Mietshäuser Syndikat oder dem unsrigen interessiert zu sein.

Und auf diesen Zug springen wir  – anders als auf den Leipzig-Hype  – durchaus gerne auf. Wir meinen, dass die Idee des selbstverwalteten, kollektiven und dekommodifizierten Wohnens ruhig öffentlich propagiert werden soll und einige (!) von uns sind deshalb auch bereit, proaktiv Medienarbeit zu betreiben, d.h. uns auch mal zitieren, fotografieren oder sogar filmen zu lassen, wenn unser Projekt als Beispiel für solche Modelle dienen sollen.

Unserer Einschätzung nach haben wir es bisher ganz ordentlich hingekriegt, dass die Medienberichte über uns nicht einfach nur „Hypezig“- oder „Schöner-wohnen“-Geschichten geworden sind, sondern wir unsere Überzeugungen jeweils gut transportieren konnten.  Dies schließen wir etwa daraus, dass uns Mails von Menschen erreichen, die nun etwa in Bremen oder Oldenburg kollektive Wohnprojekte gründen wollen oder dass Gentrification-Experte Andrej Holm uns mit Bezugnahme auf den „Süddeutsche“-Artikel als „Modellprojekt“ bezeichnet hat.

PS: Zu „Hypezig“ siehe z.B.:
- „Hypezig“ bei Tumblr
- Hype-bekämpfende Facebook-Seite „Bleibt besser wo Ihr seid Leipzig ist finster“
- „Leipzig boomt“, ARD-Mittagsmagazin vom 25. Oktober 2012 (mit einem „Prä-GmbH-Projekt“ von unserer Ecke, kunZstoffe e.V., als Schwerpunkt; siehe auch hier)
- „Haupstadt der Träumer“, Der Spiegel 42 / 2012 (PDF); online als englische Übersetzung unter dem Titel „Calling All Hipsters“ in der Rubrik „Zeitgeist“…
- „Party in Leipzig: Wie Berlin, nur besser“, Uni-Spiegel online, 14. Dezember 2012 (hier „hört man es [...] in der Künstler-Studenten-Hipster-Karawane jetzt raunen [...] ,Georg-Schwarz-Straße‘“…!)
- „Zurück in die Zukunft: Leipzig ist wieder mal das neue Berlin“, Bayrischer Rundfunk 2, „Zündfunk“ vom 14. November 2012 (hier wird die Georg-Schwarz-Straße gar als „Herz des neuen Hypes“ bezeichnet…)
- Schon ein Jährchen älter, aber stilbildend für viele spätere Hymnen: „Leipzig: Dieser Ort ist kein Traum“, FAZ vom 11. November 2011

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