Full house! und vieles mehr – das Baublog-Update zu September / Oktober

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Das Wichtigste vorweg: Wir sind vollzählig! Eine dritte Hausgruppe wurde gefunden. Wir „Bisherigen“ freuen uns auf die gemeinsame Weiterarbeit am Gesamtprojekt, heißen die „104er_innen“ ganz herzlich willkommen und wünschen ihnen einen guten (Arbeits-) Start zwischen alten Wänden und neuen Ideen!

Ansonsten haben wir während der vergangenen Wochen nicht nur gegenüber den Medien große Worte geschwungen (vgl. den letzten Blogeintrag), sondern auch an verschiedenen Ecken, Enden und Aspekten unseres großen Projekts weitergearbeitet. So reparierte der Dachdeckermeister unseres Vertrauens die diversen Risse im Bitumentschindeldach der Merseburger Straße 102/104 (mit tatkräftiger Unterstützung aus der 102er-Hausgruppe). Die ersten kräftigen Regenfälle haben die reparierten Stellen bereits tadellos überstanden. Auch die Laufbretter auf dem Dach wurden bereits erneuert, weitere kleineren Arbeiten am Hinterhaus und an der Georg-Schwarz-Straße 11 werden folgen, wenn der Dachdecker von einer Baustelle außerhalb Leipzigs zurückkehrt, die ihn zur Zeit in Anspruch nimmt.

Nach einigem Papierkram waren schließlich auch alle notwendigen Genehmigungen zum Stellen eines Schuttcontainers beisammen und so werden seit Anfang September regelmäßig leere 7-Kubikmeter-Container an die Merseburger Straße gebracht und volle wieder abgeholt. In die Container wandert Schutt verschiedener Art, den wir möglichst gut sortieren, damit er nicht als teurere Misch-Kategorie gewertet wird.

Zunächst bestand der Schutt vor allem aus den Überresten der Rabitz-Zwischenwänden, die wir aus den zukünftigen Küchenbereichen sowohl der Georg-Schwarz-Str. 11 wie auch der Merseburger Str. 102 herausgehauen haben. Während dafür bei letztgenanntem Haus die simple, aber personenintensive Methode des Heruntertragens in Eimern zum Einsatz kam (zeitweise wurde zu diesem Zweck auch eine Menschenkette gebildet), bot sich bei der ungleich weiter vom Container entfernten „Elf“ das Metallgerippe der ehemaligen Wintergärten an der Rückfassade als Aufhängung für unsere Schuttrutsche an, die just im richtigen Moment von einem befreundeten Hausprojekt, an das wir sie ausgeliehen hatten, zurückgegeben wurde. Dank des Seil-Konstruktionsgeschicks einiger Mitglieder unserer „Schweizer Connection“ hing die Rutsche auch tatsächlich bald und wurde rege benutzt. Von seinem „Landeplatz“ unter der Rutsche wurde der Schutt dann mithilfe von Schubkarren quer durch unsere Hinterhoflandschaft zum Container gebracht.

Die Beräumung und Nutzbarmachung dieser Hofbereiche schreitet ebenfalls weiter voran. An immer mehr Stellen kommen Bodenplatten aus gelblichem Klinkerstein unter dicken Erd-Ablagerungsschichten zum Vorschein. Ein großer Teil dieser Erde muss glücklicherweise nicht per Container entsorgt werden, sondern kann – wie zahlreiche sich darin offenbar pudelwohl fühlende Regenwürmer beweisen – problemlos im Gartenbau wiederverwendet werden. Und darüber freuen wir uns besonders: Die Initiative „gemeinsam grün“, mitgegründet von unserer engagierten Nachbarin Sabine, die derzeit viele kleine Brachflächen in Lindenauer Hinterhöfen mit cleveren Pflanznutzungen verschönert, ist auch bei uns am Start. Die ersten Hochbeete aus dieser Erde sind bereits entstanden und begrünen ein Mäuerchen an unserer Grundstücksgrenze (siehe Foto). Wir hoffen, dass nach und nach alle dafür vorgesehenen Flächen begrünt werden können und sind in der Zwischenzeit etwas neidisch auf das „Craftraum“-Haus an der Thüringer Straße, wo bereits ein phänomenales Hinterhof-Gesamtkunstwerk von „gemeinsam grün“ entstanden ist.

In der Merseburger Straße 102 wurde inzwischen auch die Entfernung alter Leitungen, die nicht wieder nutzbar gemacht werden können – sei es Elektro, Abwasser oder Wasser – in Angriff genommen, ebenso die Reinigung und Reparatur der Öfen.

Neben handfesten Tätigkeiten mit Schaufel, Schutt und Schubkarre beschäftigte uns auch weiterhin vielerlei Organisatorisches. So sind die leidigen Themen Wasser- und Strom-Wiederanschluss sind (für alle unsere Häuser), wenn auch nicht erledigt, so doch so weit auf den Weg gebracht, dass wir vorerst nichts weiter zu tun haben, sondern der Ball bei den Kommunalen Wasserwerken und den Stadtwerken liegt. Mit den KWL hat auch bereits ein Außendiensttermin stattgefunden, bei dem die Standorte der neuen Anschlüsse festgelegt wurden.

„Unser“ Archtiketur-Masterstudent Thomas war derweil fleißig mit dem Ausmessen aller Flächen in unseren Gebäuden beschäftigt. Nun verfügen wir (endlich) über professionelle maßhaltige Grundrisse, die für viele weitere Schritte unabdingbar sein werden. Thomas hat sich auch schon mit den Hausgruppen Merseburger Straße 102 und 104 zusammengesetzt, um sie hinsichtlich verschiedener Sanierungsmassnahmen und –optionen zu beraten.

Weiter haben wir die erforderlichen Anträge auf denkmalrechtliche und sanierungsrechtliche Genehmigung eingereicht und mit der zuständigen städtischen Denkmalpflegerin (oder wie es imposanter heißt: der Stadtbezirkskonservatorin) einen Rundgang durch unsere Häuser unternommen. Derzeit sind wir dabei, uns mit ihr über ein Protokoll zu verständigen, das unsere Pflichten als Bauenkmaleigentümer_innen festhält. Auch in Sachen Heizungs- bzw. Energiekonzept für die Georg-Schwarz-Str. 11 fanden erste Treffen statt: mit einem Leipziger Energieberater (der auch ausgebildeter Architekt ist und uns in dieser Funktion dort, wo es nicht ohne die fertig ausgebildete Fachkraft geht, mit Unterstützung – und Unterschriften – zur Seite stehen wird) sowie mit dem Berliner Kollektiv der „Solarwarmduscher_innen“, die bereits mit etlichen Hausprojekten zusammen Heizungssysteme geplant und gebaut haben.

Schließlich beschäftigen wir uns auch weiterhin mit der Nutzung der Gewerbeflächen in den Läden und im Hinterhaus Merseburger Straße. Wir haben einige Treffen mit interessierten Gewerbe- bzw. Vereinskollektiven hinter uns, die gut zu uns bzw. zu vielen – im weitesten Sinn mit Ökologie befassten – Aktivitäten passen würden, die in „unserem“ Karree bereits vor sich gehen, und hoffen, dass einige Pläne in nächster Zeit spruchreif werden.

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